Kapelle St. Jost

Geschichte

In einem Brief wurde die Kapelle St. Jost erstmals 1362 erwähnt. Die Kapellweihe fand im Jahre 1398 statt. Es folgten immer wieder Umgestaltungen und Restaurationen. Die grösste Änderung fand im Jahre 1760 statt. Damals entstanden drei Deckengemälde und das gewölbte Holzdach wurde angehoben. Vermutlich wurden ebenfalls Rundfenster eingebaut. Während den weiteren Jahren bis in die Neuzeit wurde die Kapelle immer wieder renoviert und verändert. Insbesondere traf dies die verschiedenen aufwändigen Gemälde. Die Kapelle liegt an der alten Landstrasse, einem früher viel begangenen Verkehrs- und Pilgerweg. Sie hat einen rechteckigen Grundriss. Auffällig sind die Wandmalereien an der Südwand.

Beschreibung - Wandmalereien

Beim Eingang auf der Südseite sind die Heiligen Jost, Bruder Klaus und Karl Borromäus abgebildet. Links, gegen Westen, ist der Schwur der drei Eidgenossen angebracht. Ein überlebensgrosser Christopherus wurde auf der Ostseite auf die Wand gemalt.

Im Innern der Kapelle kann man eine roh belassene Holzdecke betrachten sowie zahlreiche, sehr detaillierte Wandmalereien. Die Nordwand: Durch den Fenstereinbau wurden einige Szenen, welche vorausgesetzt werden müssten, zerstört. Dennoch ist die Darstellung der Passionsszenen gut erkennbar. In der oberen Reihe, von Links beginnend:

«1. Judaskuss 2. Gefangennahme 3. Geisselung 4. Dornenkrönung. In der unteren Reihe 5. Kreuzabnahme 6. Grablegung 7. Auferstehung 8. Noli me tangere 9. Himmelfahrt.»

An der Südwand bis zum ersten Fenster sind zwölf Bilder in drei Reihen auf die Wand gemalt. Sie zeigen das Leben und Wunder des Heiligen Jost (Jodokus). Diese Bilder sind gleichmässig von einem Rahmen umzogen und unter jedem Bild mit einem, als Erläuterung, vierzeiligen gereimten Vers versehen.

 

Von oben links beginnend:

«1. Jost verzichtet auf die Krone und zieht mit 11 Pilgern nach Rom - 2. Ankunft des Heiligen in Bagavantin und Empfang durch den Herzog Himon. - 3. Jost bleibt hier bis zur Priesterweihe und zieht dann weiter. - 4. Jost lehrt das Volk, wirkt Wunder und füttert Fische und Vögel. - 5. Jost gibt vier Bettlern sein letztes Brot, dafür kommen vier Schiffe mit Nahrung. - 6. Jost flieht in die Einöde und zieht Hennen auf. Als ihm ein Adler den Hahn raubt, macht Jost das Kreuzzeichen und der Hahn kommt zurück. - 7. Jost heilt ein blindes Mädchen und schafft einem durstigen Reisegefährten eine Wasserquelle. - 8. Bei der Messfeier sieht Jost den Gottessohn die Hostie segnen. 9. Jost sieht den Tod voraus. Nach seinem Ableben bleibt sein Leibe 40 Jahre unversehrt. - 10. Ein ungläubiger Graf öffnet Josts Grab und zerteilt die Gebeine, wird darauf stumm, blind und taub. - 11. Heilung eines lahmen Priesters und einer Frau mit Nasenbluten. - 12. Zwei von Teufel besessene Menschenfresser werden geheilt.» 

Zwischen den Fenstern der Nord- und der Südwand wird das Leben und die Wunder des Bruder Klaus dargestellt. In zwei bis drei Reihen werden insgesamt 16 Bilder, dazu eines in Grossformat, gezeigt. Jedes Bild ist von einem schlichten Randstrich umgeben, darunter befindet sich ein dreizeiliger Reim, welcher das Bild beschreibt. Von oben links beginnend zeigen die Bilder:

«1. Bruder Klaus sieht schon im Mutterleib eine Sternvision. Bei der Taufe kennt er den Priester und Paten. - 2. Er meidet als Knabe Spiel und Tanz und gibt sich dem Gebet hin. - 3. Er schaut als Sechzehnjähriger einen Turm. - 4. Bruder Klaus als Rottmeister im Krieg. - 5. Der Teufel wirft Bruder Klaus beim Reiten in die Dornen. - 6. Erscheinung der drei Männer, die Bruder Klaus Kreuz und Fahne mit Bärentatze überreichen. Er lehrt sein Töchterchen den Satan verachten. - 7. Bruder Klaus erkennt die Falschheit der Richter und verlässt die Ämter. - 8. Bruder Klaus verlässt die Familie. - 9. Bruder Klaus kommt bis nach Liestal, das er in Flammen sieht. Eine Vision heisst ihn umzukehren. - 10. Er kehrt ins Melchtal zurück, wo er im Klisterli von Jägern gefunden wird. Der Pfarrer von Kerns prüft sein achttägiges Fasten. - 11. Bruder Klaus löscht mit dem Kreuzzeichen den Dorfbrand von Sarnen. - 12. Bruder Klaus bittet die Muttergottes um Hilfe gegen die Anfechtungen des Teufels und der Welt.» 

Auf der Südwand sind die Bilder 13 bis 18 abgebildet:

«13. Grossformatiges Bild über dem Südportal: Vision bei der Messe zu St. Niklausen. - 14. Bruder Klaus wehrt sich gegen Bewunderung, nennt jene selig, die dem neuen Glauben widerstehen werden. - 15. Bruder Klaus soll über die neue Mode urteilen. - 16. Bruder Klaus hilft einem Knaben, der vor dem Teufel am Bringen von Butter gehindert wird. - 17. Totengeleite für Bruder Klaus nach Sachseln. - 18. Einzelbild an der östlichen Nordwand: Bruder Klaus erscheint nach dem Tode mit der Bärentatzenfahne.»