Innerthal

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Der Bezirk March hat sein eigenes Tal, das Wägital. Dies besteht aus den beiden Gemeinden Vorder- und Innerthal. Das in seiner Grundform herzförmige Tal steigt von Siebnen her auf rund 730 Meter über Meer in einen ersten Talkessel, das Vorderthal. Von dort aus geht es noch einmal rund 120 Höhenmeter nach oben ins Innerthal. Im Norden ist das Wägital begrenzt durch die Marchebene, im Osten durch das untere Glarner Linthal, im Süden durch das Klöntal in Richtung Klöntalersee, Pragelpass, Muotathal und im Westen durch das Einsiedler Sihltal. Die vielen Wasserläufe, welche mit ihren Hochwassern das Tal unter Wasser zu setzen drohten, diktierten die Besiedelung auf den Erhebungen des Talrandes oder auf den sicheren Anhöhen.

Geschichte

Das alte Innerthal bestand hauptsächlich aus Holzbauten mit Schindelfassaden. Diese Bauten waren typisch für die wirtschaftliche Lage der einheimischen Bauern. Der Stausee brachte die meisten dieser Häuser, rund deren 30, zum Verschwinden. Über 260 Personen wurden teilweise ausgesiedelt, nur fünf Bauernhöfe blieben völlig unberührt. Das gesamte Umsiedlungswerk wurde nur teilweise umgesetzt.

Zur Erschliessung von Neu-Innerthal wurde eine Ringstrasse rund um den See angelegt. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg entstanden im Innerthal die ersten Ferienhäuser. Der Alpsee erhöhte die touristischen Reize markant.

Wirtschaft und verkehr

Aufgrund der eher schwer zugänglichen Lage wurde das Innerthal erst spät entdeckt, gerodet und erschlossen. Im Jahre 1345 wird erstmals von einer Kapelle gesprochen. Erwähnt wird das Wägital ein erstes Mal im Jahre 1259, als man für Brenn- und Zimmerholz das Tal aufsuchte. Seit Anfangs des 15. Jahrhunderts gehört das Wägital zum Gebiet der March, zur Untermarch. Durch die Alp- und Forstwirtschaft hatte das Innerthal saisonalen Bevölkerungszuwachs. Seit dem 13. und 14. Jahrhundert gab es Ganzjahressiedlungen in den günstigen Lagen mit sommerlichem Alpbetrieb. Durch den Obst- und Ackerbau kam in den folgenden Jahrhunderten auch ein gewisser Wohlstand in das Wägital, der sich im politischen Selbstbewusstsein, in kirchlichen Stiftungen und im Hausbau zeigte. Die Verkehrserschliessung blieb allerdings minimal. Noch im 19. Jahrhundert galt das Wägital als entlegenes und verlassenes Gebirgstal. Die Pfarrherren nannten das Tal nicht umsonst "Tal der Tränen". Mit dem Neubau einer Strasse von 1860-1863 kam nicht nur ein Hotel, sondern auch der Tourismus ins Tal. Der Tourismus zählt bis heute zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. 1894 wurde eine Postkutschenverbindung zum Bahnhof Siebnen-Wangen eingerichtet. Schlussendlich lenkte eine Studie zur Trinkwassernutzung der Stadt Zürich und die vorteilhafte Situation zur Elektrizitätsgewinnung die Aufmerksamkeit auf das Innerthal. Mit dem Stauseeprojekt Ende des 19. Jahrhunderts versank der Hauptteil des Innerthals in den Fluten. Für die Bergbevölkerung brachte diese moderne Technik einen folgenreichen sozialen und wirtschaftlichen Umbruch.